Dieses Hafenmanöver-Training war eine echte Herausforderung für Trainer und Crew – und „Schuld“ war: das Wetter!

Samstag, 04.05.:
Schon auf der Hinfahrt hatte ich gemischte Gefühle: immer wieder waren dicke, dunkelgraue Wolken zu sehen und sie schienen immer dunkler zu werden, je näher ich dem Ziel, Lelystad, kam. Zum Glück klarte es dann auf, als ich meinen Wagen am Parkplatz abstellte und ich war einigermaßen beruhigt. Es schien so, dass das Training zumindest nicht permanent auch noch durch Wasser von oben ergänzt wurde…
Kaum hatte ich den schützenden Deich überwunden, so wurde ich von der nächsten Herausforderung überrascht: steifer Wind aus Nord mit 30 Knoten (=7 Bft), in Böen sollte er gar 35 Knoten (= 8 Bft) betragen. Und das auch noch querab zum Liegeplatz! Der Wind pfiff in den Wanten und Stagen, die Fallen klapperten – eben die typische Lärmkulisse bei starkem Wind!

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Normalerweise sehen die Charterverträge vor, dass man unter solchen Bedingungen den Liegeplatz nicht verlassen darf. Was also tun?

Wenn man draußen auf See von solch einem Wind (z.B. bei Bora in Kroatien) überrascht wird, so muss man ja auch irgendwie zurecht kommen und im Hafen das Anlegemanöver meistern. Wie soll man das vernünftig und souverän machen, wenn man das vorher nicht trainieren kann?

Zum Glück (?) bin ich schon einige Male in solche Situationen gekommen, so dass ich sicher war, auch diese Herausforderung meistern zu können – aber würden meine Gäste mitspielen?

Zunächst galt es daher, die Fähigkeiten der Crew kennenzulernen – und diese bereits vor dem eigentlichen Training bereits an Land vorzubereiten. Beim Anlegen ist es – gerade unter diesen schwierigen Bedingungen – sehr wichtig, dass alle Leinen, insbesondere diejenigen in Luv – möglichst schnell fest gemacht sind, damit die Yacht nicht abtreiben kann.

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Die Trockenübungen klappten alle hervorragend, so dass es nun ans „Eingemachte“ ging.

Wie üblich, startete mein Training zunächst mit einfacheren Übungen (Verholen der Yacht  innerhalb der Box unter Einsatz des Motors und der Leinen).
Hier ist es immer wieder spannend zu sehen, wie sich die Yacht bei der unterschiedlichen Ruderstellung und Veränderung der Achterleinen bewegt. (Die Vorderleinen werden dabei natürlich gefiert (= kontrolliert nachgegeben), damit sich die Yacht überhaupt bewegen kann.

Vor dem Ablegen bespreche ich auch immer erst das Anlegen, denn in der sicheren Box könnte selbst eine (noch) unerfahrene Crew schon ganz einfach sehen, wie die Yacht später wieder liegen soll und wie/wo sie mit welchen Leinen befestigt wird.

Alles klappte wie am Schnürchen – ich war beruhigt und so starteten wir nun endgültig mit dem „echten“ Training:

Wichtig ist, seine Ressourcen zu erkennen und immer auch einen „Plan B“ zu haben und vorzubereiten – gerade bei schwierigeren Situationen. Ich beantworte mir dabei u.a. folgende Fragen:

  • Welche Ressourcen hat die Yacht? (Drehfreudigkeit, Antriebsart, Motorstärke, etc.)
  • Welches Manöver ist sinnvoll und überhaupt durchführbar?
  • Welche Leinen stehen zur Verfügung?
  • Welche Liegeplätze stehen mir zur Verfügung?
  • Wie ist die Situation am gewünschten Liegeplatz?  Gibt es Hindernisse? Gibt es Hilfen?
  • Welche Stärken/Schwächen hat die Crew?
  • (Wie) können die Schwächen ausgeglichen werden?
  • Wie kann ich die Crew sinnvoll einteilen?

Am einfachsten erschien es, zunächst längsseitige Anlegemanöver zu trainieren, wobei der Wind möglichst parallel zum Steg wehte – ein passender Steg war vorhanden!

Am einfachsten war es, mit dem Heck gegen den Wind zu fahren – so konnten wir fast zentimetergenau die entsprechenden Klampen ansteuern und die Achterleine über werfen und festmachen.

Auch das Ablegemanöver war nicht allzu schwer, wobei wir und dafür entschieden, in die gegenüberliegende Achterleine einzudampfen.

So begann ein sehr abwechslungsreiches Training  mit unterschiedlichsten Manövern – die Crew war top-motiviert und ließ sich auch nicht durch zwischenzeitliche kurze Regenschauer abhalten.

Der Tag ging schnell vorbei – zum Glück hatten wir im nahe gelegenen Restaurant einen Tisch reserviert – wir hätten sonst keinen Platz mehr gefunden!

Sonntag, 05.05.:

In der Nacht hatte es kurz sehr heftig geregnet – doch zum Glück schien am Vormittag die Sonne.
Der Wind jedoch hatte etwas gedreht – war allerdings etwas schwächer geworden: heute waren es „nur noch“ 28 Knoten (=7 Bft) – allerdings von einer für uns schlechteren Seite! Unter diesen Bedingungen habe ich mich entschieden, mit dem Training später anzufangen. Der Wetterbericht versprach gelegentliche Windpausen…

Eine Stunde später war es dann soweit – und wir konnten endlich loslegen – immer mit einem Auge am Himmel versteht sich…
So haben wir rechtzeitig starke Regenschauer in einiger Entfernung erkannt und haben es geschafft, rechtzeitig am Steg festzumachen.

Wir übten und übten – bis die Crew ca. 15 Uhr beschloss: Das war´s!

Vielen Dank von meiner Seite an die hoch motivierte, sympathische Crew. Danke auch für die Einladung zum Abendessen! 🙂

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