Anker hält nicht? So erkennst du einen schlierenden Anker
Anker richtig setzen, einfahren und kontrollieren – typische Fehler beim Ankermanöver erkennen
Der Anker ist gefallen, die Yacht fährt langsam rückwärts und die Ankerkette kommt unter Spannung. Eigentlich sollte sich der Anker jetzt zuverlässig in den Grund eingraben.
Doch was, wenn die Kette immer wieder durchhängt und die Yacht weiter zurücktreibt?
Eine mögliche Ursache: Der Anker hat sich nicht richtig eingegraben oder liegt ungünstig auf dem Grund. Unter Seglern spricht man in solchen Situationen auch von einem schlierenden Anker.
Woran du einen solchen Fehler erkennst und wie du darauf reagierst, zeigen wir anhand eines praktischen Ankermanövers.
Video: Wenn der Anker nicht hält
In diesem SPOREDO-Praxisvideo zeigen wir ein reales Ankermanöver, bei dem der Anker zunächst nicht zuverlässig hält. Du siehst, wie die Crew das Problem bemerkt und das Manöver erneut vorbereitet.
Video:
1. Ankermanöver richtig vorbereiten
Ein sicheres Ankermanöver beginnt mit der Vorbereitung auf dem Vorschiff.
Der Ankerkasten wird geöffnet und die Klappe so gesichert, dass sie nicht unkontrolliert zufallen kann. Anschließend wird die Ankersicherung gelöst.
Vor dem Ausbringen müssen Anker, Kette und Ankerwinsch einsatzbereit sein. Auch die Wassertiefe, die Beschaffenheit des Ankergrundes, die Wetterbedingungen und der verfügbare Schwojraum müssen beurteilt werden.
Die Crew sollte wissen, wer welche Aufgabe übernimmt und wie das Manöver abgebrochen wird.
2. Klare Handzeichen zwischen Bug und Steuerstand
Beim Ankermanöver ist eine eindeutige Kommunikation besonders wichtig.
Im Video übernimmt das erfahrene und ortskundige Crewmitglied am Bug die Beobachtung und gibt dem Rudergänger Handzeichen.
Dazu gehören beispielsweise:
- Vorausfahren
- Stoppen
- Nach Steuerbord oder Backbord korrigieren
- Langsam rückwärtsfahren
- Wassertiefe abfragen
Wichtig ist, dass alle Zeichen vor dem Manöver eindeutig vereinbart werden und der Rudergänger sie sicher erkennen kann.
Die Verantwortung für das gesamte Manöver bleibt beim Skipper.
3. Den Anker kontrolliert einfahren
Nachdem der Anker ausgebracht und ausreichend Kette gesteckt wurde, wird die Yacht langsam rückwärts bewegt.
Dabei baut sich Zug auf der Ankerkette auf.
Der Anker soll sich in geeigneten Grund eingraben und die Yacht zuverlässig halten.
Die Rückwärtsfahrt wird kontrolliert und schrittweise gesteigert. Wie stark der Anker belastet wird, hängt unter anderem von der Yacht, dem Anker, dem Untergrund und den Bedingungen ab.
Ein sorgfältig eingefahrener Anker bietet deutlich mehr Sicherheit als ein Anker, dessen Halt lediglich vermutet wird.
4. Woran erkennt man, dass der Anker nicht hält?
Im Video zeigt sich ein auffälliges Verhalten: Die Ankerkette kommt unter Spannung und hängt anschließend wiederholt durch.
Der Verdacht liegt nahe, dass der Anker nicht richtig greift.
Ein wiederholtes Durchhängen allein ist allerdings noch kein eindeutiger Beweis für einen falsch liegenden Anker. Auch Änderungen der Fahrt, Bewegungen durch Wind und Wellen oder eine veränderte Kettengeometrie können dieses Verhalten auslösen.
Entscheidend ist deshalb die Gesamtbeurteilung:
- Bleibt die Yacht bei kontrollierter Belastung an ihrer Position?
- Gibt es eine unerwartete Bewegung gegenüber festen Bezugspunkten?
- Verändert sich die Peilung oder die Position auffällig?
- Hält die Ankerkette unter gleichmäßiger Belastung erwartungsgemäß Zug?
- Ist der Anker möglicherweise ausgebrochen oder gar nicht richtig eingegraben?
Wenn der Anker nicht zuverlässig hält, darf das Manöver nicht einfach als erfolgreich abgeschlossen betrachtet werden.
5. Was tun, wenn der Anker schliert?
Im SPOREDO-Video wird das Ankermanöver wiederholt, nachdem sich gezeigt hat, dass der Anker nicht zuverlässig hält.
Das ist die richtige Konsequenz.
Anstatt einen zweifelhaften Anker liegen zu lassen, wird er wieder aufgenommen und der Vorgang neu vorbereitet.
Dabei sollte auch geprüft werden, ob der gewählte Ankerplatz geeignet ist und ob beispielsweise der Ankergrund, die Kettenlänge oder das Ausbringen verändert werden müssen.
Anschließend wird der Anker erneut gesetzt und kontrolliert eingefahren.
Gute Seemannschaft bedeutet nicht, dass jedes Manöver beim ersten Versuch gelingt. Entscheidend ist, Fehler rechtzeitig zu erkennen und sicher darauf zu reagieren.
6. Ankern in der Praxis lernen
Ankern lässt sich theoretisch erklären. Das Gefühl dafür, wie sich eine Yacht beim Einfahren des Ankers bewegt, wie die Kette reagiert und wann ein Anker zuverlässig hält, entwickelt sich jedoch vor allem durch praktische Erfahrung.
Während der SPOREDO Skipper-Praxiswoche in Kroatien gehören unter geeigneten Bedingungen auch Ankermanöver, die Auswahl geschützter Buchten und das Ausbringen von Landverbindungen zu den praktischen Übungen.
Dabei geht es nicht allein darum, einen Anker fallen zu lassen, sondern den gesamten Vorgang sicher zu planen, durchzuführen und zu überprüfen.
Mehr erfahren: Skipper-Praxiswoche Kroatien
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Fazit: Ein Anker muss nachweislich halten
Ein gefallener Anker ist noch kein sicherer Ankerplatz.
Erst wenn der Anker zuverlässig hält und seine Haltewirkung kontrolliert wurde, kann das Ankermanöver als abgeschlossen betrachtet werden.
Deshalb gehören eine gute Vorbereitung, klare Crewkommunikation, kontrolliertes Einfahren und die Überprüfung der Haltewirkung zu jedem sicheren Ankermanöver.
Vorbereitung verschafft Sicherheit.