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Was Skipper von Profis lernen können

Warum Wiederholung, Automatismen und mentale Vorbereitung im entscheidenden Moment den Unterschied machen können.

Warum sieht bei Profis vieles so einfach aus?

Hast du schon einmal Feuerwehrleute bei einer Übung beobachtet? Oder Rettungskräfte, die bei einem Einsatz scheinbar ganz selbstverständlich zusammenarbeiten?

Viele Handgriffe sitzen. Jeder kennt seine Aufgaben. Entscheidungen und Abläufe wirken oft erstaunlich routiniert.

Was wir dabei häufig nicht sehen, sind die vielen Stunden des Trainings, die dahinterstecken.

Feuerwehrleute, Rettungskräfte, Ärzte, Piloten, Polizisten und Soldaten müssen regelmäßig üben. Gerade bei Aufgaben, bei denen Fehler schwerwiegende Folgen haben können, ist eine gute Vorbereitung unverzichtbar.

Natürlich wissen auch diese Menschen nicht immer im Voraus, was sie erwartet.
Und selbstverständlich machen auch Profis Fehler.

Aber sie haben gelernt, mit unterschiedlichen Situationen umzugehen.

Sie verlassen sich nicht allein darauf, im entscheidenden Moment schon irgendwie richtig zu reagieren. Sie bereiten sich darauf vor.

Und genau davon können wir als Skipper eine Menge lernen.

Was ich beim Kampfsport gelernt habe

Ich habe früher Kampfsport betrieben.
Dabei haben wir bestimmte Verteidigungsbewegungen zunächst unglaublich langsam geübt.
Manche Abläufe wurden immer und immer wieder wiederholt.

Am Anfang musste ich mich ganz bewusst auf jede einzelne Bewegung konzentrieren:

Wie stehen meine Füße?
Wie bewege ich die Arme?
Wann muss ich reagieren?

Erst nach und nach wurde das Tempo gesteigert.
Mit zunehmender Übung wurden die Bewegungen sicherer und flüssiger. Irgendwann musste ich nicht mehr über jeden einzelnen Schritt nachdenken.

Bestimmte Abläufe liefen nahezu automatisch ab.
Das bedeutet natürlich nicht, dass man plötzlich auf jede Situation die perfekte Antwort hat.
Aber man verfügt über Fähigkeiten, die einem auch dann zur Verfügung stehen, wenn wenig Zeit zum Nachdenken bleibt.

Und genau darin sehe ich eine wichtige Parallele zum Yachthandling.

Warum wir beim Yachthandling so viel wiederholen

Auch beim Umgang mit einer Yacht müssen viele einzelne Fähigkeiten zusammenspielen.
Wir bedienen das Ruder, kontrollieren die Geschwindigkeit, beobachten den Wind und müssen gleichzeitig unsere Umgebung im Blick behalten.
Gerade für Anfänger kann das ziemlich viel auf einmal sein.

Deshalb beginnen wir in meinen Hafentrainings mit den Grundlagen.
Wir fahren beispielsweise Achten vorwärts und rückwärts, üben das Aufstoppen und beobachten, wie die Yacht auf unterschiedliche Ruderlage reagiert.
Dabei wiederholen wir bestimmte Abläufe so lange, wie es für den jeweiligen Teilnehmer sinnvoll ist.

Manche brauchen nur wenige Versuche, um eine Fähigkeit sicher umzusetzen.
Andere benötigen mehr Wiederholungen.
Das ist vollkommen in Ordnung.

Mir geht es nicht darum, möglichst viele Übungen in möglichst kurzer Zeit abzuhaken.
Ich möchte, dass die Teilnehmer tatsächlich verstehen und erfahren, wie ihre Yacht reagiert.
Denn mit zunehmender Übung werden einzelne Handlungen vertrauter.

Und je weniger ich über jeden einzelnen Handgriff nachdenken muss, desto mehr Aufmerksamkeit bleibt mir für die gesamte Situation.

Automatismen sind hilfreich – aber sie ersetzen nicht das Denken

Ein wichtiger Punkt wird dabei manchmal übersehen.
Nicht jeder eingeübte Ablauf ist automatisch in jeder Situation richtig.
Eine Yacht verhält sich je nach Wind, Strömung, Fahrt und Bauart unterschiedlich.

Was bei einer bestimmten Geschwindigkeit funktioniert, kann bei einer anderen Geschwindigkeit eine ganz andere Wirkung haben.

Deshalb möchte ich meinen Teilnehmern keine starren Bewegungsabläufe beibringen, die sie anschließend gedankenlos wiederholen.
Ich möchte, dass sie Zusammenhänge verstehen.

Trainierte Fertigkeiten sollen ihnen helfen, schneller und sicherer zu handeln.
Aber die Entscheidung, welche Handlung überhaupt sinnvoll ist, muss weiterhin zur aktuellen Situation passen.

Automatismen sollen uns das Denken nicht abnehmen. Sie sollen uns den Kopf für die wichtigen Entscheidungen freihalten.

Training beginnt nicht erst auf dem Wasser

Es gibt aber noch eine andere Form der Vorbereitung, die ich für besonders wichtig halte.
Und die kostet zunächst einmal überhaupt kein Geld.
Ich spreche von der mentalen Vorbereitung.

Ein Skipper kann sich bereits vor einem Manöver Gedanken darüber machen, welche Situationen entstehen könnten.
Wie sind die Windverhältnisse?
Welche Hindernisse gibt es?
Welche Handlungsmöglichkeiten habe ich?
Was könnte anders laufen als geplant?
Und wie würde ich dann reagieren?

Solche Überlegungen ersetzen kein praktisches Training.
Aber sie können helfen, mögliche Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und Alternativen vorzubereiten.

Ich muss dafür nicht jedes Mal eine Yacht chartern oder ein kostenpflichtiges Training besuchen.
Ich kann auch während eines ganz normalen Segeltörns bewusst beobachten, nachdenken und aus den Situationen lernen, die sich mir bieten.

Warum ein gutes Training trotzdem seinen Wert hat

Natürlich kann ich mir vieles theoretisch überlegen.
Aber zwischen dem Wissen, wie etwas funktionieren müsste, und der Fähigkeit, es tatsächlich umzusetzen, besteht häufig ein erheblicher Unterschied.

Ich kann beispielsweise genau wissen, wie meine Yacht aufstoppen sollte.
Ob ich das Manöver unter den gegebenen Bedingungen wirklich präzise durchführen kann, erfahre ich aber erst in der Praxis.
Hier liegt für mich der besondere Wert eines guten Trainings.

Unter geeigneten und kontrollierten Bedingungen kann ich Dinge ausprobieren, Abläufe wiederholen und meine Fähigkeiten gezielt verbessern.
Ein erfahrener Trainer kann beobachten, wo Schwierigkeiten entstehen, und dabei helfen, einzelne Ursachen zu erkennen.

Vielleicht fehlt nur ein bestimmter Handgriff. Vielleicht stimmt das Timing nicht. Vielleicht hat der Teilnehmer das Verhalten der Yacht noch nicht richtig verstanden.

Dann können wir genau dort ansetzen.

Ein gutes Training hilft dabei, aus theoretischem Wissen und gedanklicher Vorbereitung tatsächlich abrufbare Fähigkeiten zu entwickeln.

Wenn es plötzlich schnell gehen muss

Stell dir vor, du fährst in einen Hafen ein.

Du hast dich vorbereitet, den Hafenplan angeschaut und die Bedingungen beobachtet.
Trotzdem entwickelt sich eine Situation anders als erwartet.
Vielleicht verändert sich der Wind. Vielleicht kreuzt ein anderes Fahrzeug deinen Weg. Vielleicht reagiert die Yacht anders, als du es angenommen hattest.

Jetzt ist es hilfreich, wenn du dich nicht erst daran erinnern musst, wie du grundsätzlich die Geschwindigkeit kontrollierst oder die Yacht auf engem Raum bewegst.
Diese Fähigkeiten sollten möglichst sicher verfügbar sein.
Dann kannst du dich stärker darauf konzentrieren, die veränderte Situation zu beurteilen und eine angemessene Entscheidung zu treffen.

Das bedeutet nicht, dass alles automatisch gut ausgehen wird.
Aber du hast bessere Voraussetzungen, um handlungsfähig zu bleiben.

Und bei tatsächlichen Notfällen wie Mensch über Bord, Feuer an Bord oder Wassereinbruch wird die Bedeutung von Vorbereitung und trainierten Abläufen noch deutlicher.

Hier müssen je nach Situation bestimmte Maßnahmen unverzüglich eingeleitet werden. Wer grundlegende Abläufe vorher praktisch geübt hat, muss sich im Ernstfall nicht mit jedem einzelnen Handlungsschritt erstmals beschäftigen.

Von Profis lernen bedeutet nicht, perfekt sein zu müssen

Mir geht es bei diesem Vergleich mit Feuerwehrleuten, Rettungskräften oder Piloten nicht darum, dass wir als Freizeitskipper denselben Ausbildungsstand erreichen müssten.
Das wäre weder realistisch noch notwendig.

Aber wir können uns ein wichtiges Prinzip abschauen:

Wer in schwierigen Situationen sicher handeln möchte, sollte die dafür notwendigen Fähigkeiten nicht erst dann kennenlernen, wenn die Schwierigkeit bereits eingetreten ist.

Wir können uns vorbereiten.
Wir können üben.
Wir können aus Fehlern lernen.
Und wir können uns regelmäßig fragen, welche Fähigkeiten wir noch verbessern möchten.

Dafür braucht es nicht immer ein aufwendiges Trainingsprogramm.
Manchmal beginnt alles mit einer einfachen Beobachtung oder einer Frage, die wir uns während eines ganz normalen Segeltörns stellen.

Mein Fazit: Können entsteht durch Vorbereitung und Übung

Ein gelungenes Hafenmanöver ist für mich nicht einfach das Ergebnis eines glücklichen Augenblicks.
Es entsteht aus dem Zusammenspiel verschiedener Fähigkeiten.

Ich muss meine Yacht verstehen. Ich muss die Situation beurteilen können. Ich brauche praktische Erfahrung und möglichst sicher beherrschte Grundlagen.
Und ich muss bereit sein, meine ursprüngliche Entscheidung zu verändern, wenn die Bedingungen es erfordern.

Genau deshalb lege ich in meinen Trainings so großen Wert auf Wiederholungen, das Verständnis einzelner Abläufe und die individuelle Entwicklung jedes Teilnehmers.

Ein gutes Manöver beginnt im Kopf. Durch Übung wird daraus Können.

Das können wir von Profis lernen.

Vom Schein zum Skipper – SPOREDO

Bei SPOREDO geht es nicht darum, einzelne Manöver auswendig zu lernen. Wir möchten Skipper dabei unterstützen, ihre Yacht zu verstehen, grundlegende Fähigkeiten zu trainieren und auch in ungewohnten Situationen handlungsfähig zu bleiben.

Unser Leitgedanke dabei: Beurteilen – Entscheiden – Handeln.

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