Notfalldaten an Bord
Bei einem Notfall an Bord zählt nicht nur die richtige Reaktion. Es zählt auch, ob wichtige Informationen sofort verfügbar sind.
Viele Angaben stehen irgendwo im Bordbuch, im Charterordner, auf dem Handy oder in den Unterlagen der Crew. Im Alltag reicht das aus. Im Notfall ist das oft zu langsam.
Deshalb sind zwei vorbereitete Dokumente sinnvoll:
- ein Yacht-Eckdatenblatt mit festen Yacht-, Funk- und Revierdaten
- ein persönlicher Notfallumschlag für freiwillige medizinische Angaben einzelner Crewmitglieder
Beide Dokumente haben ein gemeinsames Ziel: Im Ernstfall nicht suchen müssen.
Das Yacht-Eckdatenblatt ersetzt kein Bordbuch
Das Yacht-Eckdatenblatt ist kein zweites Bordbuch und keine zweite Crewliste.
Im Bordbuch des Vercharterers stehen viele wichtige Informationen: Crewliste, Charterbasis, Schiffspapiere, Versicherungsdaten, technische Unterlagen und Bedienungsanleitungen.
Das Yacht-Eckdatenblatt soll nur die Angaben enthalten, die im Notfall schnell gebraucht werden und nicht offensichtlich sind.
Dazu gehören zum Beispiel:
- Yachtname
- Rufzeichen
- MMSI
- Flagge
- Tiefgang
- Masthöhe
- Echolotbezug
- lokale Seenotrettung
- Küstenwache im Revier
- Medico Cuxhaven / TMAS Germany
- Vercharterer oder technische Ansprechperson, falls erreichbar
- Hinweis, ob persönliche Notfallumschläge vorhanden sind
Nicht jedes Detail muss auf dieses Blatt. Wenn eine Information ohnehin klar sichtbar ist oder zuverlässig im Bordbuch steht, muss sie nicht doppelt gesammelt werden.
Warum Yachtname, Rufzeichen und MMSI wichtig sind
Bei einem Notruf muss eindeutig klar sein, welches Schiff betroffen ist.
Der Yachtname allein reicht nicht immer. Namen können ähnlich sein oder mehrfach vorkommen. Rufzeichen und MMSI helfen, die Yacht eindeutig zu identifizieren.
Gerade bei DSC-Distress spielt die MMSI eine wichtige Rolle. Deshalb sollte die gesamte Crew vor Törnbeginn wissen, wo diese Daten stehen und sie griffbereit haben.
Tiefgang, Masthöhe und Echolotbezug
Tiefgang und Masthöhe sind keine bürokratischen Angaben. Sie können im Revier direkt sicherheitsrelevant werden.
Der Tiefgang ist wichtig bei Untiefen, Häfen, Ankerplätzen und engen Fahrwassern.
Die Masthöhe ist wichtig bei Brücken, Stromleitungen und Binnenrevieren.
Der Echolotbezug wird oft unterschätzt. Es macht einen großen Unterschied, ob das Echolot die Wassertiefe ab Geber, die Tiefe unter dem Kiel oder einen unbekannten Wert anzeigt.
Wer das erst in einer kritischen Situation klären muss, verliert wertvolle Zeit.
Lokale Notrufnummern vor dem Törn prüfen
MRCC Bremen ist für deutsche Seegebiete zuständig.
In Kroatien, Griechenland, Italien oder anderen Revieren ist die örtliche Seenotrettung oder Küstenwache zuständig.
Deshalb sollten lokale Notrufnummern vor dem Törn geprüft und auf dem Yacht-Eckdatenblatt eingetragen werden.
Für Chartertörns ist das besonders wichtig, weil viele Crews jedes Jahr in anderen Revieren unterwegs sind.
Die Grundregel lautet:
- im deutschen Seegebiet: MRCC Bremen / Bremen Rescue
- im Ausland: örtlich zuständige Seenotrettung oder Küstenwache
- bei unmittelbarer Lebensgefahr: MAYDAY über UKW-Kanal 16 oder DSC-Distress
- bei ernster Lage ohne unmittelbare Lebensgefahr: PAN-PAN über UKW-Kanal 16
Die Details zum Funkverkehr gehören in die separate Notfunk-Checkliste. Das Yacht-Eckdatenblatt soll nur die wichtigsten Kontaktdaten griffbereit machen.
Funkärztliche Beratung
Bei medizinischen Notfällen auf See kann die funkärztliche Beratung helfen. In Deutschland ist das Medico Cuxhaven / TMAS Germany.
Diese Beratung ist besonders wertvoll, wenn der Skipper nicht sicher einschätzen kann, wie ernst eine medizinische Lage ist oder welche weiteren Schritte sinnvoll sind.
Wichtig ist aber: Funkärztliche Beratung ersetzt keine lebensrettenden Sofortmaßnahmen.
Wenn ein Patient nicht normal atmet, stark blutet oder unmittelbar gefährdet ist, müssen Sofortmaßnahmen und Alarmierung sofort beginnen. Formulare und Rückfragen dürfen lebensrettende Maßnahmen nicht verzögern.
Medizinische Angaben gehören nicht offen auf die Crewliste
Medizinische Informationen sind sehr persönlich. Sie gehören nicht offen auf eine allgemeine Crewliste und auch nicht auf ein gemeinsames Yacht-Eckdatenblatt.
Trotzdem können sie im Notfall entscheidend sein.
Beispiele:
- Vorerkrankungen
- Allergien
- regelmäßig eingenommene Medikamente
- Notfallmedikamente
- Aufbewahrungsort wichtiger Medikamente
- Hausarzt oder behandelnder Arzt
- Auslandskrankenversicherung
- private Unfallversicherung
- persönliche Notfallkontakte
Die bessere Lösung ist ein verschlossener persönlicher Notfallumschlag.
Der persönliche Notfallumschlag
Der persönliche Notfallumschlag wird freiwillig von einem Crewmitglied ausgefüllt und verschlossen an den Skipper übergeben.
Der Umschlag bleibt verschlossen.
Er wird nur geöffnet, wenn das Crewmitglied selbst keine Auskunft geben kann oder wenn medizinische Hilfe diese Angaben benötigt.
Nach dem Törn wird der ungeöffneter Umschlag zurückgegeben.
Das schützt die Privatsphäre der Crew und gibt dem Skipper trotzdem eine Möglichkeit, im Ernstfall wichtige Informationen an Rettungskräfte, Ärzte oder funkärztliche Beratung weiterzugeben.
Was in den persönlichen Notfallumschlag gehört
In den Umschlag gehören nur Informationen, die im medizinischen Notfall wirklich helfen können.
Sinnvoll sind:
- Name
- Geburtsdatum
- Staatsangehörigkeit
- Notfallkontakt
- Ersatzkontakt
- wichtige Vorerkrankungen
- Allergien
- regelmäßig eingenommene Medikamente
- Notfallmedikamente
- Aufbewahrungsort der Medikamente an Bord
- Hausarzt oder behandelnder Arzt
- Krankenversicherung
- Auslandskrankenversicherung
- Reiseversicherung oder Assistance
- private Unfallversicherung
- Hinweise zu Bergungs- oder Rettungskosten, wenn bekannt
Der Umschlag ist kein Sammelordner für alles Persönliche.
Was nicht in den Umschlag gehört
Nicht in den Umschlag gehören:
- vollständige Kreditkartennummern
- Bankdaten
- PINs
- Passwörter
- Originaldokumente
- unnötige private Angaben
- Informationen, die der Skipper im Notfall nicht braucht
Auch Ausweisverlust, Handyverlust oder Kartensperrung gehören normalerweise nicht in diesen Umschlag. Wenn das Crewmitglied ansprechbar und handlungsfähig ist, kann es solche Dinge selbst regeln.
Der Umschlag ist für den Fall gedacht, dass jemand nicht mehr selbst sprechen oder entscheiden kann.
Warum ein Ersatzkontakt sinnvoll ist
Ein einzelner Notfallkontakt kann nicht erreichbar sein.
Deshalb ist ein Ersatzkontakt sinnvoll. Es geht nicht darum, möglichst viele Personen zu informieren. Es geht darum, im Ernstfall überhaupt jemanden zu erreichen, der das Crewmitglied kennt und wichtige Informationen geben kann.
Der Skipper ist kein Arzt
Der persönliche Notfallumschlag macht den Skipper nicht zum Arzt.
Er hilft nur dabei, bessere Informationen weiterzugeben.
Der Skipper soll keine Diagnosen stellen und keine Medikamente ausprobieren. Medikamente werden nur nach Kenntnis des Crewmitglieds oder nach medizinischer Anweisung genutzt.
Wichtig ist die Reihenfolge:
- Lage sichern
- Patient prüfen
- Sofortmaßnahmen einleiten
- Hilfe holen
- Informationen geordnet weitergeben
- Zustand weiter überwachen
Datenschutz praktisch gedacht
Die Lösung mit dem verschlossenen Umschlag ist einfach und praktisch.
Die Angaben sind freiwillig.
Der Umschlag bleibt geschlossen.
Der Umschlag wird nur im medizinischen Notfall geöffnet.
Ungeöffnete Umschläge werden nach dem Törn zurückgegeben.
So bekommt der Skipper nicht mehr Informationen als nötig. Gleichzeitig sind wichtige Daten verfügbar, wenn ein Crewmitglied selbst keine Auskunft mehr geben kann.
Typische Fehler
Typische Fehler bei Notfalldaten an Bord sind:
- sich darauf verlassen, dass alles irgendwo im Bordbuch steht
- lokale Seenotnummern erst im Notfall suchen
- MMSI oder Rufzeichen nicht griffbereit haben
- medizinische Angaben offen in einer Crewliste sammeln
- sensible Daten unnötig abfragen
- keine Notfallkontakte der Crew haben
- nicht wissen, wo wichtige Medikamente liegen
- im medizinischen Notfall zu spät Beratung oder Rettung einbinden
Diese Fehler lassen sich mit einfachen Vorlagen vermeiden.
Der wichtigste Gedanke
Notfalldaten sind Vorbereitung.
Sie sollen im Ernstfall nicht erklären, was zu tun ist. Dafür gibt es Checklisten.
Sie sollen dafür sorgen, dass der Skipper die richtigen Informationen schnell findet und weitergeben kann.
Das Yacht-Eckdatenblatt hilft bei Yacht-, Funk- und Revierdaten.
Der persönliche Notfallumschlag hilft bei vertraulichen medizinischen Angaben der Crew.
Beides zusammen erhöht die Handlungsfähigkeit an Bord.
Skipper-Checklisten und Notfallvorlagen kostenlos anfordern
Für die wichtigsten Notfälle und kritischen Situationen an Bord gibt es praktische SPOREDO-Checklisten und Vorlagen zum Herunterladen.
Die Checklisten helfen dir, Sofortmaßnahmen klar und geordnet im Blick zu behalten.
Die Notfallvorlagen helfen dir, wichtige Daten vor dem Törn vorzubereiten – zum Beispiel Yacht-Eckdaten, Notfallkontakte und persönliche medizinische Angaben der Crew.