Feuer an Bord
Feuer an Bord gehört zu den gefährlichsten Situationen auf einer seegehenden Yacht.
An Land kann man Abstand gewinnen. Auf See ist das anders. Der Raum ist eng, Rauch breitet sich schnell aus, Fluchtwege sind begrenzt und Hilfe ist nicht sofort vor Ort.
Deshalb ist Feuer an Bord kein Thema, das man erst im Ernstfall lösen sollte. Entscheidend ist, dass ein Feuer möglichst gar nicht entsteht – und wenn doch, dass es sofort entdeckt und sofort ernst genommen wird.
Häufige Ursachen für Feuer an Bord
Feuer an Bord entsteht selten „einfach so“. Häufige Ursachen liegen in wenigen Bereichen, die jeder Skipper kennen sollte.
Besonders häufig genannt werden:
- Elektrik, Kabel, Batterien und Ladegeräte
- Kurzschluss, Korrosion oder schlechte Kontakte
- Feuer in der Pantry beim Kochen
- Fett, Öl, Gas oder brennbare Gegenstände am Herd
- Überhitzung im Motorraum
- Kraftstoff, Öl oder heiße Motorteile
- unsachgemäßer Umgang mit Gas oder brennbaren Flüssigkeiten
In Sicherheitsinformationen für Wassersportler werden vor allem Elektrik, Pantry, Gas, Batterie und Motorraum als typische Risikobereiche genannt.
Für die Praxis heißt das: Feuervermeidung beginnt vor allem dort:
- Elektrik,
- Pantry,
- Gas,
- Batterie und
- Motorraum.
1-kg-Löscher: nur für den Entstehungsbrand
Auf einer Charteryacht stehen in der Regel nur wenige kleine Feuerlöscher zur Verfügung. Häufig sind es 1-kg-Pulverlöscher.
Damit kann nur ein Entstehungsbrand bekämpft werden – und auch nur dann, wenn das Feuer sofort entdeckt wird, der Feuerlöscher direkt erreichbar ist und der Löschversuch ohne Eigengefährdung möglich bleibt.
Die entscheidende Phase ist ganz am Anfang:
Wird ein Feuer nicht sofort erkannt, ist die eigene Löschmöglichkeit auf einer Yacht sehr schnell erschöpft.
Die wichtigste Regel lautet daher:
- Feuer vermeiden.
- Feuer sofort erkennen.
- Sofort Mayday.
- Nur löschen, wenn es noch sicher möglich ist.
Sofort Mayday senden
Wenn auf einer seegehenden Yacht Feuer an Bord entsteht, wird sofort die Rettungskette gestartet.
Das bedeutet:
- DSC-Distress auslösen und Mayday über UKW Kanal 16 senden.
Nicht erst abwarten, ob der Löschversuch erfolgreich ist.
Auf einer Yacht kann sich ein Feuer sehr schnell entwickeln, und die eigene Löschmöglichkeit ist begrenzt.
Falls das Feuer tatsächlich sofort gelöscht werden konnte und keine Gefahr mehr besteht, kann später Entwarnung gegeben werden.
Zu spät zu alarmieren ist deutlich gefährlicher als zu früh zu alarmieren.
Feuer in der Pantry
In der Pantry entstehen viele Feuer durch offene Flamme, Gas, Fett, Öl oder brennbare Gegenstände in der Nähe des Herdes.
Bei Fett- und Ölbränden gilt: niemals mit Wasser löschen (Es käme zu einer Fettexplosion!).
Wenn mit Fett oder Öl gekocht wird, sollte ein passender Deckel griffbereit liegen. Ein kleiner Entstehungsbrand in Topf oder Pfanne kann damit unter Umständen erstickt werden, wenn das gefahrlos möglich ist.
Wichtig ist:
- Herd nicht unbeaufsichtigt lassen.
- Gas nach Gebrauch schließen.
- Brennbare Gegenstände vom Herd fernhalten.
- Fett und Öl nicht überhitzen lassen.
- Passenden Deckel bereitlegen.
- Bei Fett- oder Ölbrand niemals Wasser verwenden.
- Brennende Töpfe oder Pfannen nicht herumtragen.
- Löschdecke nicht als Maßnahme für Fett- oder Ölbrände einplanen.
Sobald Stichflammen, starker Rauch oder Ausbreitung auftreten, ist der sichere Eigenlöschversuch sehr schnell vorbei.
Feuer durch Gas
Gas ist schwerer als Luft ist und sammelt sich ich in tiefen Bereichen, zum Beispiel in der Bilge oder am Salonboden.
Bei Gasgeruch oder Gasverdacht gilt:
- Gaszufuhr schließen, wenn gefahrlos möglich.
- Keine offenen Flammen verwenden.
- Keine elektrischen Schalter betätigen.
- Nicht rauchen.
- Nicht starten, nicht schalten, keine Funken erzeugen.
- Lüften, wenn dadurch keine zusätzliche Gefahr entsteht.
Wenn Gas brennt, ist nicht nur die Flamme das Problem, sondern vor allem die weiter austretende Gasmenge.
Deshalb darf eine brennende Gasflamme nicht einfach gelöscht werden, solange weiter Gas austreten kann.
Entscheidend ist, die Gaszufuhr zu stoppen.
Feuer durch Elektrik oder Batterie
Bei Feuer durch Elektrik oder Batterien ist die Ursache oft nicht sofort sichtbar ist.
Warnzeichen können sein:
- verschmorter Geruch
- Rauch im Bereich von Kabeln, Batterien oder Ladegeräten
- ungewöhnlich warme Kabel, Stecker oder Geräte
- flackernde Anzeigen
- sichtbare Kabelschäden
- Feuchtigkeit im Bereich elektrischer Anlagen
Bei Verdacht auf ein elektrisches Feuer gilt:
Strom abschalten, wenn das gefahrlos möglich ist.
Wasser darf nicht auf elektrische Anlagen eingesetzt werden, solange Spannung anliegen kann.
Beschädigte Elektrik, Batterien oder Ladegeräte dürfen nach einem Feuer nicht einfach weiter benutzt werden.
Feuer im Motorraum
Im Motorraum kommen Hitze, Kraftstoff, Öl, Elektrik und bewegliche Teile zusammen. Wird dort Feuer vermutet, sollte der Motorraum nicht weit geöffnet werden, weil dadurch zusätzlicher Sauerstoff zum Feuer gelangen kann.
Wenn die Yacht eine Löschöffnung zum Motorraum hat, sollte der Feuerlöscher darüber eingesetzt werden.
Wichtig ist:
- Motorraum nicht weit öffnen.
- Sauerstoffzufuhr zum Feuer vermeiden.
- Wenn vorhanden: Löschöffnung nutzen.
- Kraftstoffzufuhr schließen, wenn gefahrlos möglich.
- Motor stoppen, wenn Feuer im Motorraum vermutet wird.
- Motorraum nach dem Löschen nicht sofort vollständig öffnen.
- Temperatur, Rauch und mögliche Wiederentzündung beobachten.
Wenn der Motor bereits läuft und das Feuer nicht aus dem Motorraum, dem Kraftstoffbereich, der Batterie, der Elektrik oder durch Gas entsteht, kann der laufende Motor für Manövrierfähigkeit und Sicherheit wichtig sein. Er sollte deshalb nicht vorschnell abgestellt werden.
Wenn das Feuer nicht sofort gelöscht werden kann
Wenn ein Feuer nicht sofort unter Kontrolle gebracht werden kann, muss parallel zum ersten Löschversuch das mögliche Verlassen der Yacht vorbereitet werden.
Das bedeutet nicht, dass die Yacht sofort verlassen wird. Aber die Crew darf damit nicht erst beginnen, wenn Rauch, Hitze oder Flammen den Zugang zu Rettungswesten, Notfalltasche oder Rettungsinsel bereits blockieren.
Wichtig ist:
- Crew zusammenhalten und durchzählen.
- Rettungswesten anlegen, soweit sie erreichbar sind, ohne in den Gefahrenbereich zu gehen.
- Notfalltasche / Grab Bag sichern, wenn erreichbar.
- Rettungsinsel vorbereiten, soweit vorhanden.
- Tragbares Funkgerät, Handy und Signalmittel sichern, wenn vorhanden und erreichbar.
- Abstand zu Rauch, Flammen, Gasflaschen, Kanistern und Batterien halten.
- Fluchtwege freihalten.
- Entwicklung von Rauch, Flammen und Hitze beobachten.
Die Yacht wird nicht leichtfertig verlassen. Aber das Verlassen der Yacht muss vorbereitet sein, während der erste Löschversuch läuft.
Fazit
Feuer an Bord ist auf einer seegehenden Yacht kein Notfall, den man erst in Ruhe analysieren kann.
Auf einer Charteryacht reichen die vorhandenen Feuerlöscher in der Regel nur für einen sehr frühen Entstehungsbrand.
Deshalb zählt vor allem die erste Phase: Feuer vermeiden, Feuer sofort erkennen, sofort Mayday senden und nur dann löschen, wenn das ohne Eigengefährdung noch möglich ist.
Wenn der erste Löschversuch nicht sofort erfolgreich ist, muss parallel das mögliche Verlassen der Yacht vorbereitet werden.
Die Verantwortung für Entscheidungen und Maßnahmen an Bord bleibt beim Schiffsführer.
Checkliste Feuer an Bord
Für den Ernstfall gibt es zusätzlich eine kurze Checkliste mit den wichtigsten Sofortmaßnahmen.
Sie ist bewusst knapp gehalten und dient nicht als Erklärung, sondern als praktische Abarbeitungshilfe im Notfall.
[Checkliste Feuer an Bord herunterladen]