Mensch über Bord: Vorbereitung, Sichtkontakt und Bergung

Ein Mensch-über-Bord-Fall beginnt nicht erst in dem Moment, in dem jemand im Wasser liegt.

Er beginnt viel früher: vor dem Auslaufen, bei der Crew-Einweisung, bei der Entscheidung für Rettungswesten und Lifelines und bei der Frage, wie eine Person im Ernstfall wieder sicher an Bord gebracht werden kann.

Denn wenn jemand über Bord geht, zählt jede Sekunde.

MOB beginnt vor dem Auslaufen

Ein gutes MOB-Manöver ist nicht nur ein Manöver zurück zur Person. Es beginnt mit Vorbereitung.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • klare Regeln für Rettungswesten und Lifelines
  • vorbereitete Rettungsmittel
  • eine Crew, die weiß, was bei MOB sofort zu tun ist
  • eine bekannte MOB-Taste am Plotter oder GPS
  • eine vorbereitete Alarmierung über Funk
  • eine überlegte Bergestelle an Bord
  • ein vorbereitetes Fall, eine Bergeschlinge oder ein anderes geeignetes Bergemittel

Idealerweise wird die Crew bereits vor dem Törn über die Online-Sicherheitseinweisung vorbereitet.

Wenn das nicht erfolgt ist, muss die Einweisung vor Ort vor dem Auslaufen durchgeführt werden.

Der wichtigste erste Schritt: Sichtkontakt

Bei sechs Knoten Fahrt entfernt sich eine Yacht in 15 Sekunden fast 50 Meter vom Unfallort.

Wenn die Person im Wasser aus dem Blick verloren wird, beginnt nicht mehr nur die Rettung. Dann beginnt die Suche.

Deshalb ist die erste Aufgabe bei MOB:

Alle Personen an Deck, außer dem Rudergänger, schauen permanent zum MOB und zeigen auf die Person, bis eine andere Anweisung erfolgt.

Das klingt einfach. Aber in der echten Situation entsteht schnell Stress. Alle wollen helfen, alle meinen es gut, und genau dadurch kann Chaos entstehen.

Darum muss vorher klar sein:

Sichtkontakt hat oberste Priorität.

MOB besteht aus mehreren Bereichen

Ein MOB-Fall besteht nicht nur daraus, zur Person zurückzufahren.

In der Praxis geht es um mehrere Bereiche:

  1. Sichtkontakt sichern oder die Person wiederfinden
    Wenn die Person nicht mehr gesehen wird, wird aus der Rettung sofort eine Suche.
  2. Yacht kontrolliert zur Person zurückführen
    Die Yacht muss so neben der Person zum Stehen gebracht werden, dass keine zusätzliche Gefahr entsteht.
  3. Person sicher an Bord bringen
    Die Bergung ist oft der schwierigste Teil. Gerade bei hohem Freibord, Welle, Kälte, Verletzung oder Erschöpfung reicht es nicht, einfach „zur Person zurückzufahren“.

Danach ist der Fall noch nicht automatisch beendet. Auch nach der Bergung kann weiterhin Lebensgefahr bestehen – zum Beispiel durch Verletzungen, Schock, Erschöpfung oder Unterkühlung.

Bergung nicht automatisch am Heck

Viele denken bei der Bergung zuerst an Badeplattform oder Heckspiegel.

Das kann bei ruhigem Wasser und einer aktiven, unverletzten Person funktionieren. Es kann aber auch gefährlich sein.

Bei Welle bewegt sich das Heck stark. Wenn die Person unter den Heckbereich gerät, kann es zu schweren Verletzungen kommen. Auch die Schraube ist eine zusätzliche Gefahr.

Deshalb sollte vor dem Auslaufen überlegt werden:

Wo kann eine Person an dieser Yacht möglichst sicher geborgen werden?

Je nach Situation kann eine Bergung an der Luvseite oder an der Leeseite sinnvoll sein. Eine immer richtige Lösung gibt es nicht.

Entscheidend sind unter anderem:

  • Wind
  • Welle
  • Yacht
  • Freibord
  • Zustand der Person im Wasser
  • Crewstärke
  • vorhandene Bergemittel
  • Manövrierfähigkeit der Yacht

Alarmierung frühzeitig vorbereiten

Ein Mensch-über-Bord-Fall ist generell als potenziell lebensgefährliche Lage zu behandeln.

Zeit ist entscheidend.

Deshalb sollte die Crew wissen, wie die MOB-Taste genutzt wird und wie ein Seenotfall über Funk ausgelöst wird. Wenn die Person schnell wieder sicher an Bord ist und die Lage geklärt ist, kann entwarnt werden.

Verlorene Zeit lässt sich dagegen nicht zurückholen.

Checkliste nutzen

Die MOB-Checkliste ist als praktische Gedankenstütze gedacht.

Sie ersetzt kein Training, keine eigene Lagebeurteilung und keine Verantwortung des Skippers. Sie hilft aber dabei, wichtige Punkte vor dem Auslaufen vorzubereiten und im Ernstfall strukturierter zu handeln.

Download folgt: Checkliste Mensch über Bord (MOB)