Notfunk an Bord: Im Notfall schnell Hilfe holen
Ein Notfall auf See ist kein Moment für Perfektion. Es geht nicht darum, einen Funkspruch wie in der Prüfung fehlerfrei aufzusagen. Es geht darum, schnell Hilfe zu holen, die eigene Position zu übermitteln und die Lage klar zu melden.
Genau dafür ist der DSC-Controller an Bord so wichtig.
Viele Crews denken beim Notfunk zuerst an den gesprochenen MAYDAY-Ruf. In der Praxis ist bei einem echten Notfall aber der DSC-Distress-Alarm oft der wichtigste erste Schritt. Er kann sehr schnell ausgelöst werden und sendet digital einen Notruf an andere DSC-fähige Funkstellen und Rettungsstellen im Empfangsbereich.
Wenn das Funkgerät mit GPS verbunden ist, wird die Position automatisch mit übertragen. Das ist im Stress ein riesiger Vorteil.
Warum DSC-Distress so wichtig ist
Bei schwerer und unmittelbarer Gefahr sollte nicht erst lange überlegt werden, ob der Funkspruch perfekt vorbereitet ist.
Dann gilt:
- DSC-DISTRESS auslösen
- danach Kanal 16 abhören
- wenn möglich MAYDAY funken
- Rückfragen beantworten
- hörbereit bleiben
Der große Vorteil: Auch wenn der gesprochene MAYDAY-Ruf unter Stress nicht sofort gelingt, ist der digitale Notruf bereits raus.
Wann ist MAYDAY richtig?
MAYDAY ist für Situationen gedacht, in denen Menschen oder Yacht unmittelbar gefährdet sind.
Typische Beispiele:
- Mensch über Bord
- Feuer an Bord
- starker Wassereinbruch
- sinkende Yacht
- Yacht wird verlassen
- schwere Verletzung mit Lebensgefahr
- Kollision mit ernster Gefahr
- Grundberührung mit Wassereinbruch
- Manövrierunfähigkeit in gefährlicher Lage
In solchen Fällen sollte nicht zu lange gewartet werden. Der häufigere Fehler ist nicht ein zu früher Notruf, sondern ein zu später.
Die DISTRESS-Taste richtig bedienen
Die rote DISTRESS-Taste ist kein Knopf, den man nur kurz antippt.
Bei vielen Funkgeräten muss zuerst die Schutzabdeckung geöffnet werden. Danach wird die DISTRESS-Taste gedrückt und gehalten.
Häufig läuft dabei ein Warnton oder Countdown.
Wichtig ist:
- nicht erschrecken
- nicht zu früh loslassen
- die Taste gedrückt halten, bis der Warnton oder Countdown endet
- erst loslassen, wenn der DSC-Distress-Alarm tatsächlich gesendet wurde
Das sollte vor dem Törn bekannt sein. Nicht erst im Notfall.
Wenn wenige Sekunden Zeit sind
Wenn die Lage es zulässt, kann vor dem Senden des DSC-Distress-Alarms die Notfallart ausgewählt werden.
Zum Beispiel:
- MOB
- Fire
- Flooding
- Collision
- Grounding
- Sinking
- Abandoning
Das hilft der Rettungsstelle, die Lage schneller einzuordnen.
Aber: Wenn keine Zeit bleibt, ist der schnelle DSC-Distress-Alarm wichtiger als die perfekte Auswahl im Menü.
MAYDAY nach dem DSC-Alarm
Der DSC-Distress-Alarm ersetzt den gesprochenen MAYDAY-Ruf nicht vollständig.
Nach dem DSC-Alarm sollte auf Kanal 16 abgehört und, wenn möglich, MAYDAY gesprochen werden.
Wichtige Angaben sind:
- Yachtname
- MMSI
- Position
- Art des Notfalls
- benötigte Hilfe
- Personen an Bord
- wichtige Zusatzinformationen
Wenn Englisch unter Stress nicht sicher klappt, ist ein klarer deutscher Notruf besser als Schweigen.
Entscheidend ist, dass die Lage verstanden wird.
PAN-PAN: ernste Lage, aber noch keine unmittelbare Lebensgefahr
Nicht jede ernste Situation ist sofort ein MAYDAY.
PAN-PAN wird genutzt, wenn die Lage dringend ist, aber Menschen oder Yacht noch nicht unmittelbar in Lebensgefahr sind.
Beispiele:
- Motorausfall ohne akute Gefahr
- Ruderausfall, aber Yacht noch kontrollierbar
- unklarer Wassereinbruch
- medizinisches Problem ohne akute Lebensgefahr
- Treibstoffproblem
- erschöpfte Crew
- Schlepphilfe erforderlich
Wichtig: Wenn sich die Lage verschlechtert, muss aus PAN-PAN sofort MAYDAY werden.
Ein unklarer Wassereinbruch kann zum Beispiel zunächst PAN-PAN sein. Wenn das Wasser steigt oder nicht mehr ausreichend gelenzt werden kann, ist es ein MAYDAY.
Was die Crew vor dem Törn wissen muss
Notfunk darf nicht nur Skippersache sein.
Wenn der Skipper ausfällt, muss ein Crewmitglied Hilfe rufen können. Deshalb sollte vor dem Törn kurz gezeigt werden:
- wo die DISTRESS-Taste ist
- wie die DISTRESS-Abdeckung geöffnet wird
- dass die Taste gedrückt gehalten werden muss, bis der Alarm gesendet ist
- dass danach Kanal 16 abgehört wird
- wo das Handfunkgerät liegt
- wo Handy und Signalmittel sind
Das ist keine vollständige Funkausbildung. Es ist eine Sicherheitsgrundlage für den Notfall.
Yacht-Eckdaten gehören ins Logbuch
Für den Notfunk müssen bestimmte Yacht-Daten sofort verfügbar sein. Diese Daten gehören nicht auf jede einzelne Notfall-Checkliste, sondern ins Logbuch oder auf ein separates Yacht-Eckdatenblatt.
Dazu gehören insbesondere:
- Yachtname
- MMSI
- Rufzeichen
- Personen an Bord
- Länge
- Breite
- Tiefgang
- Masthöhe
- Echolot-Bezug: Tiefe unter Kiel oder Tiefe ab Wasseroberfläche
- Motortyp und Kraftstoff
- Tankinhalt
- Standort der Schiffspapiere
- Notfallkontakte und Vercharterer
Diese Angaben helfen nicht nur im Notfall. Sie helfen auch dabei, gefährliche Situationen von Anfang an zu vermeiden.
Wer Tiefgang, Masthöhe oder den Echolot-Bezug nicht kennt, kann schon vor dem eigentlichen Notfall in Schwierigkeiten geraten.
Typische Fehler beim Notfunk
Häufige Fehler sind:
- zu lange warten
- erst den perfekten Funkspruch suchen
- DSC-Distress nicht nutzen
- DISTRESS-Taste zu früh loslassen
- nach dem DSC-Alarm Kanal 16 nicht abhören
- Position nicht nennen können, wenn keine GPS-Daten übertragen werden
- PAN-PAN nicht auf MAYDAY erhöhen, obwohl die Lage schlimmer wird
- Crew nicht einweisen
Diese Fehler lassen sich vermeiden, wenn die Grundabläufe vor dem Törn einmal klar besprochen werden.
Notfunk ersetzt keine Vorbereitung
Ein Funkgerät hilft nur, wenn an Bord bekannt ist, wie es im Notfall benutzt wird.
Deshalb sollte vor dem Ablegen klar sein:
- wie DSC-Distress ausgelöst wird
- wann MAYDAY richtig ist
- wann PAN-PAN richtig ist
- wo die wichtigsten Yacht-Daten stehen
- wer funkt, wenn der Skipper ausfällt
- welche Backup-Möglichkeiten es gibt
Im Ernstfall ist keine Zeit mehr, um erst im Handbuch nachzulesen.
Skipper-Checklisten kostenlos anfordern
Für die wichtigsten Notfälle und kritischen Situationen an Bord gibt es praktische SPOREDO-Checklisten zum Herunterladen.
Die Checklisten helfen dir, die wichtigsten Sofortmaßnahmen klar und geordnet im Blick zu behalten – zum Beispiel bei Feuer an Bord, Mensch über Bord, Kollision, Wassereinbruch, Grundberührung, Notfunk oder dem Verlassen der Yacht.
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