Yachthandling statt Manövertraining – warum es um mehr geht als perfektes Anlegen
Ein Hafenmanöver ist kein Selbstzweck. Entscheidend ist, dass ein Skipper seine Yacht versteht, ihre Möglichkeiten kennt und auch dann handlungsfähig bleibt, wenn etwas anders läuft als geplant.
Es geht nicht um das perfekte Hafenmanöver
In meinen Hafentrainings sage ich den Teilnehmern immer wieder:
Mein Ziel ist nicht, dass ihr am Ende ein bestimmtes Hafenmanöver perfekt beherrscht.
Mein Ziel ist, dass ihr lernt, mit einer Yacht umzugehen.
Ich nenne das Yachthandling.
Natürlich trainieren wir Anlegen, Ablegen, Drehen auf engem Raum und den Umgang mit Leinen. Aber diese Manöver sind für mich vor allem Mittel zum Zweck.
Ich möchte, dass meine Teilnehmer erfahren, wie eine Yacht reagiert.
Was bewirkt das Ruder? Welche Rolle spielt die Schraube? Wie verändert der Wind das Verhalten der Yacht? Was passiert, wenn ich mehr oder weniger Fahrt im Schiff habe?
Wer diese Zusammenhänge nicht nur theoretisch kennt, sondern selbst erlebt hat, erweitert seinen Handlungsspielraum.
Und genau darum geht es mir.
Eine Yacht kennenlernen bedeutet, ihre Grenzen kennenzulernen
Viele Skipper haben bestimmte Manöver irgendwann einmal gelernt und versuchen anschließend, diese möglichst genau zu wiederholen.
Das funktioniert häufig gut – solange die Bedingungen ähnlich bleiben.
Aber was passiert, wenn der Wind aus einer anderen Richtung kommt?
Wenn der Platz enger ist als erwartet?
Oder wenn die Yacht ganz anders reagiert als das Schiff, auf dem man ursprünglich gelernt hat?
Deshalb lasse ich meine Teilnehmer bewusst unterschiedliche Situationen ausprobieren.
Wir verändern die Voraussetzungen, probieren verschiedene Vorgehensweisen und beobachten, wie die Yacht reagiert.
Dabei darf auch einmal etwas nicht so funktionieren, wie wir es uns vorgestellt haben.
Denn gerade daraus kann man viel lernen.
Wichtig ist, dass solche Übungen unter geeigneten und kontrollierten Bedingungen stattfinden.
Low speed, low damage – eine gute Regel, aber nicht die ganze Ausbildung
Eine bekannte Regel beim Hafenmanöver lautet:
Low speed, low damage.
Und grundsätzlich ist daran viel richtig.
Ich fahre selbst möglichst langsam in einen Hafen – vor allem, wenn er mir fremd ist!
Nicht nur, weil bei geringer Geschwindigkeit die Folgen einer Berührung geringer ausfallen können, sondern vor allem, weil ich mir Zeit verschaffe.
- Zeit zum Beobachten.
- Zeit zum Beurteilen.
- Zeit zum Entscheiden.
Aber daraus darf nicht entstehen, dass ein Skipper ausschließlich langsame Manöver beherrscht.
Es kann Situationen geben, in denen eine schnelle und entschlossene Reaktion erforderlich ist.
Deshalb üben wir unter geeigneten, abgesicherten Trainingsbedingungen auch ungewöhnliche Manöver und lernen das Verhalten der Yacht bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten kennen.
Nicht, weil schnelles Anlegen grundsätzlich besser wäre.
Sondern weil ich möchte, dass meine Teilnehmer wissen, welche Möglichkeiten und Grenzen ihre Yacht hat.
Wer seine Yacht nur unter Idealbedingungen kennt, kennt sie noch lange nicht wirklich.
Es gibt nicht für jede Situation eine Patentlösung
Ich halte wenig davon, Hafenmanöver ausschließlich nach festen Rezepten zu unterrichten.
Natürlich gibt es bewährte Vorgehensweisen. Aber was auf einer Yacht bei bestimmten Bedingungen funktioniert, kann auf einer anderen Yacht oder bei anderem Wind völlig anders aussehen.
Deshalb möchte ich meinen Teilnehmern nicht nur zeigen, wie ich ein bestimmtes Manöver fahre.
Ich möchte, dass sie verstehen, warum ich mich für diese Vorgehensweise entscheide. Und ich möchte, dass sie lernen, selbst Alternativen zu erkennen.
Was mache ich, wenn sich der Wind verändert?
Wenn plötzlich ein anderes Boot im Weg liegt?
Wenn die Yacht anders reagiert als erwartet?
Die Antwort ist nicht immer dieselbe.
Denn gute Skipper zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie für jede Situation einen auswendig gelernten Ablauf kennen.
Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie mit unterschiedlichen Situationen umgehen können.
Beurteilen – Entscheiden – Handeln
Diese drei Begriffe beschreiben für mich den Kern guter Skipperpraxis.
- Beurteilen: Was passiert gerade? Welche Gefahren gibt es? Welche Möglichkeiten und Ressourcen stehen mir zur Verfügung?
- Entscheiden: Welche Vorgehensweise ist unter den gegebenen Bedingungen sinnvoll?
- Handeln: Die Entscheidung rechtzeitig, kontrolliert und konsequent umsetzen.
Und anschließend beginnt der Prozess erneut.
Denn Situationen verändern sich. Eine Entscheidung, die vor wenigen Sekunden richtig war, muss es unter veränderten Umständen nicht mehr sein.
Mein Ziel: handlungsfähige Skipper
Am Ende eines Hafentrainings möchte ich nicht nur hören, dass ein Teilnehmer jetzt ein bestimmtes Manöver besonders schön fahren kann.
Ich möchte, dass er seine Yacht besser versteht.
Dass er Möglichkeiten erkennt, die er vorher nicht kannte.
Dass er sich auch an ungewohnte Situationen herantraut, ohne leichtsinnig zu werden.
Und dass er weiß, dass nicht jedes Manöver auf Anhieb funktionieren muss.
Denn Sicherheit entsteht nicht dadurch, dass niemals etwas schiefgeht.
Sie entsteht auch dadurch, dass wir gelernt haben, mit Abweichungen, Schwierigkeiten und unerwarteten Entwicklungen umzugehen.
Mein Ziel ist nicht der perfekte Hafenmanöver-Skipper. Mein Ziel ist ein Skipper, der beurteilen, entscheiden und handeln kann.
Vom Schein zum Skipper – SPOREDO
In unseren Hafentrainings geht es nicht um das Auswendiglernen einzelner Manöver, sondern darum, eine Yacht wirklich kennenzulernen und die eigenen Fähigkeiten durch praktische Erfahrung weiterzuentwickeln.
Kostenlose Skipper-Checklisten
Gute Skipperpraxis beginnt mit einer guten Vorbereitung. Mit unseren kostenlosen Skipper-Checklisten behältst du wichtige Sicherheitsmaßnahmen, Notfälle und technische Probleme an Bord im Blick.