Startseite>Skipper-Wissen>Skipperpraxis>Raus aus der Komfortzone

Raus aus der Komfortzone – aber mit Köpfchen

Warum ein gutes Skippertraining auch einmal unbequem sein darf.

In meinen Hafentrainings sage ich den Teilnehmern manchmal etwas, das zunächst ziemlich merkwürdig klingt: „Ich möchte, dass ihr euch beim Training nicht immer wohlfühlt.“

Warum sage ich das?

Weil ich davon überzeugt bin, dass wir unsere Fähigkeiten nur dann wirklich weiterentwickeln, wenn wir auch einmal Dinge ausprobieren, die außerhalb unserer gewohnten Möglichkeiten liegen.

Wer immer nur das macht, was er bereits sicher beherrscht, wird kaum neue Erfahrungen sammeln.

Aber eines ist mir dabei besonders wichtig:
Es geht nicht darum, jemanden zu überfordern oder gar in eine gefährliche Situation zu bringen.
Es geht darum, die eigenen Grenzen kennenzulernen und sie unter kontrollierten Bedingungen Schritt für Schritt zu erweitern.

Jeder Teilnehmer hat seine eigene Komfortzone

In unseren Hafentrainings treffen ganz unterschiedliche Menschen aufeinander.

Manche haben bereits viele Jahre Segelerfahrung. Andere haben gerade ihren Sportbootführerschein erworben. Wieder andere waren bisher hauptsächlich als Mitsegler unterwegs und haben vielleicht nur gelegentlich selbst am Ruder gestanden.

Deshalb wäre es unsinnig, von allen Teilnehmern dieselben Fähigkeiten zu erwarten.

Wir beginnen grundsätzlich mit den Grundlagen. Und zwar mit jedem Teilnehmer.

Ich möchte zunächst sehen, wie jemand mit der Yacht umgeht. Wie reagiert er auf die Bewegungen des Schiffes? Wie bedient er das Ruder? Wie schätzt er Geschwindigkeit und Abstand ein?

Dabei geht es nicht um eine Prüfung. Es geht darum, den Teilnehmer kennenzulernen und herauszufinden, welche Fähigkeiten bereits vorhanden sind.

Wenn jemand eine Übung sicher beherrscht, können wir die nächste Herausforderung angehen.
Wenn jemand mehr Zeit benötigt, nehmen wir uns diese Zeit.
Und manchmal beginnen wir tatsächlich damit, dass ein Teilnehmer erst einmal lernt, zuverlässig geradeaus zu fahren.

Das ist vollkommen in Ordnung.

Spielerisch lernen statt Leistungsdruck

Ein ganz wesentlicher Bestandteil meiner Trainings ist das spielerische Lernen.
Wir fahren beispielsweise Achten vorwärts und rückwärts. Wir verändern die Ruderlage, stoppen die Yacht gezielt auf und beobachten, wie sie reagiert.

Dabei entdecken die Teilnehmer oft ganz neue Möglichkeiten, eine Yacht zu bewegen.
Sie dürfen ausprobieren. Sie dürfen Fragen stellen. Und selbstverständlich darf auch einmal etwas nicht funktionieren.

Denn genau dafür ist ein Training da.

Wenn etwas nicht wie geplant klappt, schauen wir uns gemeinsam an, woran es gelegen haben könnte.
Vielleicht war die Ruderlage nicht passend.
Vielleicht wurde die Geschwindigkeit falsch eingeschätzt.
Vielleicht kam eine Reaktion einfach zu spät.

Dann verändern wir eine Kleinigkeit und probieren es erneut.
So entsteht nach und nach ein besseres Verständnis für das Verhalten der Yacht.

Und ganz nebenbei entwickeln sich Fähigkeiten, die später auch bei anspruchsvolleren Manövern helfen.

Warum ich die Anforderungen bewusst steigere

Wenn ich merke, dass ein Teilnehmer bestimmte Grundlagen sicher beherrscht, möchte ich ihn auch weiterbringen.

Dann verändern wir beispielsweise die Ausgangssituation, die Geschwindigkeit oder den verfügbaren Raum.
Vielleicht soll er ein Manöver fahren, das er bisher noch nie ausprobiert hat.
Vielleicht muss er plötzlich eine andere Vorgehensweise wählen, als er ursprünglich geplant hatte.

Natürlich geschieht das nur unter geeigneten Bedingungen und mit ausreichenden Sicherheitsreserven.

Aber ich möchte durchaus, dass ein Teilnehmer gelegentlich denkt: „Ob ich das wohl hinbekomme?“
Denn genau dort kann ein wichtiger Lernprozess beginnen.
Er erlebt, dass er mehr kann, als er sich bisher zugetraut hat.
Oder er erkennt, an welcher Fähigkeit er noch arbeiten muss.

Beides ist ein wertvolles Ergebnis.

Herausfordern bedeutet nicht überfordern

Als Trainer habe ich dabei eine besondere Verantwortung.
Ich muss einschätzen, welche Herausforderung für den jeweiligen Teilnehmer sinnvoll ist.

Was für einen erfahrenen Skipper eine einfache Übung darstellt, kann für einen Anfänger bereits ausgesprochen anspruchsvoll sein.
Deshalb steigern wir die Anforderungen nicht nach einem starren Zeitplan.
Wir orientieren uns an den Fähigkeiten und Fortschritten des Einzelnen.
Und wenn eine Übung zu schwierig wird, gehen wir eben noch einmal einen Schritt zurück.
Dann trainieren wir zunächst die Fähigkeit, die noch fehlt.

Das ist kein Scheitern, sondern ein ganz normaler Bestandteil des Lernprozesses.
Eine wichtige Voraussetzung ist dabei, dass ich als Trainer jederzeit eingreifen kann und die Übungen in einem beherrschbaren Rahmen stattfinden.

Es geht nicht darum, Angst zu erzeugen oder Teilnehmer unter Druck zu setzen.
Mein Ziel ist, ihnen Erfahrungen zu ermöglichen, die sie allein möglicherweise nicht machen würden.

Aus Unsicherheit wird Erfahrung

Besonders schön finde ich die Momente, in denen Teilnehmer plötzlich feststellen, dass sie etwas können, was sie sich vorher überhaupt nicht zugetraut hätten.

Vielleicht gelingt ein ungewöhnliches Drehmanöver. Vielleicht können sie die Yacht plötzlich sehr präzise aufstoppen. Oder sie erkennen zum ersten Mal ganz bewusst, wie sie das Verhalten ihres Schiffes beeinflussen können.

Solche Erfahrungen verändern etwas.
Denn aus einem anfänglichen „Das kann ich bestimmt nicht“ wird ein „Jetzt weiß ich, wie es geht“.

Natürlich bedeutet das nicht, dass anschließend jedes Manöver immer perfekt funktioniert.
Aber der Teilnehmer hat eine neue Fähigkeit entwickelt und damit seinen Handlungsspielraum erweitert.

Genau darum geht es mir.

Selbstvertrauen ist nicht dasselbe wie Selbstüberschätzung

Ein guter Skipper muss nicht glauben, dass er alles beherrscht. Ganz im Gegenteil.
Er sollte wissen, welche Fähigkeiten er besitzt, wo seine Grenzen liegen und wann eine andere Vorgehensweise sinnvoller ist.

Dieses Wissen entsteht nicht allein durch einen Führerschein oder durch theoretische Kenntnisse.
Es entwickelt sich durch eigene Erfahrungen, durch Übung und durch die bewusste Auseinandersetzung mit den eigenen Fähigkeiten.

Dabei helfen auch Situationen, in denen zunächst nicht alles funktioniert.
Denn wer im Training gelernt hat, mit ungewohnten Herausforderungen umzugehen, kann seine Möglichkeiten später oft realistischer einschätzen.

Mein Ziel: Die Komfortzone vergrößern

Unsere Hafentrainings dauern zweieinhalb Tage.
In dieser Zeit möchte ich jeden Teilnehmer individuell weiterbringen.

Nicht alle werden am Ende dieselben Manöver gleich gut beherrschen. Das ist auch gar nicht mein Anspruch.
Entscheidend ist, dass jeder Teilnehmer am Ende mehr versteht, mehr kann und seine eigenen Fähigkeiten besser einschätzen kann als zu Beginn.

Deshalb möchte ich die Teilnehmer auch nicht einfach aus ihrer Komfortzone herausdrängen.

Ich möchte ihnen helfen, ihre Komfortzone durch neue Fähigkeiten zu vergrößern.

Denn Sicherheit entsteht nicht dadurch, dass wir schwierigen Situationen grundsätzlich aus dem Weg gehen.
Sie entsteht auch dadurch, dass wir lernen, mit Herausforderungen kontrolliert und überlegt umzugehen.

Und dafür ist ein Training mit einem erfahrenen Trainer an der Seite eine besonders gute Gelegenheit.


Vom Schein zum Skipper – SPOREDO

Bei SPOREDO beginnen wir mit den Grundlagen, fördern jeden Teilnehmer entsprechend seinen Fähigkeiten und steigern die Anforderungen Schritt für Schritt.

Unser Ziel ist nicht das perfekte Manöver, sondern ein Skipper, der seine Yacht versteht, seine Möglichkeiten kennt und eigenständig beurteilen, entscheiden und handeln kann.

Kostenlose Skipper-Checklisten

Gute Skipperpraxis beginnt mit einer guten Vorbereitung. Mit unseren kostenlosen Skipper-Checklisten behältst du wichtige Sicherheitsmaßnahmen, Notfälle und technische Probleme an Bord im Blick.

Skipper-Checklisten kostenlos herunterladen →

Weitere interessante Artikel