Kollision an Bord
Eine Kollision ist nicht immer ein dramatischer Zusammenstoß auf See. Manchmal beginnt sie viel unscheinbarer: ein harter Kontakt beim Hafenmanöver, ein Schlag gegen einen Dalben, eine Berührung mit einer Spundwand oder ein Zusammenstoß mit einem anderen Boot.
Trotzdem kann eine Kollision sicherheitsrelevant sein. Der sichtbare Schaden ist nicht immer der entscheidende Schaden. Kritisch wird es, wenn unter der Wasserlinie, am Ruder, am Kiel, an Seeventilen, am Motor, an der Elektrik oder am Rigg etwas beschädigt wurde.
Warum Kollisionen oft unterschätzt werden
Nach einer Kollision schauen viele zuerst auf Kratzer, Gelcoat, verbogene Beschläge oder sichtbare Schäden am Bug oder Heck.
Wichtiger ist aber die Frage, ob die Yacht weiterhin sicher schwimmt und manövrierfähig bleibt. Ein Schaden am Rumpf, am Ruder, an der Welle, an der Schraube oder am Kiel kann zunächst unauffällig wirken und sich später verschlimmern.
Auch ein kurzer harter Schlag kann Kräfte in Bereiche übertragen, die man von außen nicht sofort sieht.
Deshalb sollte eine Kollision nie nur nach dem ersten Eindruck beurteilt werden.
Typische Kollisionssituationen
Kollision bedeutet nicht nur Zusammenstoß mit einem anderen Schiff.
Auch ein harter Kontakt mit Dalben, Steg, Spundwand oder Mole kann sicherheitsrelevant sein. Das gilt ebenso für Berührungen beim Anlegen oder Ablegen, Zusammenstöße mit anderen Yachten, Kontakt mit Berufsschifffahrt, treibende Gegenstände im Wasser oder Schäden an Ruder, Kiel, Propeller oder Rigg.
Gerade im Hafen werden solche Situationen schnell als kleiner Rempler abgetan. Das kann gefährlich sein, wenn sicherheitsrelevante Schäden übersehen werden.
Die eigentliche Gefahr liegt oft in den Folgen
Nach einer Kollision geht es nicht nur um den Schaden selbst.
Entscheidend sind mögliche Folgen: Wassereinbruch, Verlust der Manövrierfähigkeit, beschädigte Seeventile, Schäden an Kiel oder Ruder, Probleme mit Motor oder Propeller, beschädigte Elektrik oder Verletzungen an Bord.
Deshalb darf sich der Skipper nach einer Kollision nicht vom sichtbaren Schaden ablenken lassen. Die entscheidende Frage lautet nicht: Wie schlimm sieht es aus? Die entscheidende Frage lautet: Ist die Yacht noch sicher?
Kollision im Hafen
Im Hafen ist die Lage oft überschaubarer, aber nicht automatisch ungefährlich.
Dort gibt es meist schnelle Hilfe, kurze Wege und Ansprechpartner wie Hafenmeister oder Vercharterer. Trotzdem muss geprüft werden, ob die Yacht noch sicher ist.
Besonders kritisch sind Schäden unterhalb der Wasserlinie, am Ruder, an der Schraube, an Seeventilen oder an tragenden Teilen. Auch wenn die Yacht zunächst noch schwimmt und manövriert, kann ein Schaden später größer werden.
Kollision auf See
Auf See kann eine Kollision deutlich ernster werden.
Wenn die Yacht Wasser macht, nicht mehr manövrieren kann oder Crewmitglieder verletzt sind, wird aus einem Schaden schnell eine Notlage.
Dann zählt nicht die Frage, wer schuld ist. Dann zählt zuerst, ob Menschen sicher sind, ob die Yacht schwimmfähig bleibt und ob rechtzeitig Hilfe gerufen werden muss.
Beistandspflicht nach einer Kollision
Nach einer Kollision endet die Verantwortung nicht bei der eigenen Yacht.
Zuerst geht es um Menschen: Ist jemand verletzt? Ist jemand über Bord gegangen? Ist eine andere Crew in Gefahr? Droht ein anderes Schiff zu sinken oder zu brennen?
Wer an einer Kollision beteiligt ist, muss im Rahmen des Zumutbaren Hilfe leisten. Das bedeutet nicht, die eigene Crew leichtfertig in Gefahr zu bringen. Aber es bedeutet: Wenn Menschen Hilfe brauchen, darf man nicht einfach wegfahren.
Zur Hilfeleistung gehört auch, weitere Hilfe anzufordern, wenn die eigenen Möglichkeiten nicht ausreichen. Das kann über Funk, Hafenmeister, Rettungsleitstelle, Küstenfunkstelle oder Revierfunk erfolgen.
Unfallstelle sichern
Nach einer Kollision kann die Unfallstelle selbst zur Gefahr werden.
Das gilt besonders in Fahrwassern, Hafeneinfahrten, engen Bereichen oder bei schlechter Sicht. Eine manövrierunfähige Yacht, treibende Teile oder ein sinkendes Fahrzeug können für andere Schiffe gefährlich werden.
Deshalb muss die Unfallstelle so gut wie möglich gesichert werden. Dazu können Funkmeldungen, Warnungen an andere Fahrzeuge, Signale, Positionsangaben und die Information an zuständige Stellen gehören.
Wenn eine Yacht zu sinken droht und es noch möglich ist, kann es sinnvoll sein, sie aus dem Fahrwasser zu bringen oder auf flacheres Wasser zu verholen. Das darf aber nur geschehen, wenn dadurch Menschen und die eigene Yacht nicht zusätzlich gefährdet werden.
Manövrierunfähig oder in Not
Ist die Yacht nach der Kollision nicht mehr manövrierfähig, muss das nach außen erkennbar gemacht werden.
Auf See bedeutet das je nach Situation: Funkmeldung, Positionsangabe, Lichter, Signalkörper oder Schallsignale. Bei schlechter Sicht müssen andere Fahrzeuge frühzeitig gewarnt werden.
Für Charterskipper ist entscheidend: Nicht nur den Schaden betrachten, sondern auch die Wirkung nach außen. Andere Verkehrsteilnehmer müssen wissen, dass hier eine Gefahr besteht.
Daten austauschen und Vorfall melden
Wenn Menschen gesichert sind, keine akute Gefahr mehr besteht und weiterer Beistand nicht erforderlich ist, beginnt die Dokumentation.
Dazu gehören die Daten der beteiligten Schiffe, Skipper, Eigner oder Vercharterer, Kontaktdaten, Uhrzeit, Position, Wetter, Sicht, Fotos, Zeugen und eine kurze Beschreibung des Ablaufs.
Wichtig sind auch Fotos von den Beschädigungen, der Kollisionsstelle, der Umgebung und – wenn möglich – von den Positionen der beteiligten Fahrzeuge.
Bei einer Charteryacht sollte der Vercharterer frühzeitig informiert werden. Reparaturen, Weiterfahrt oder Rückkehr in den Hafen sollten nicht eigenmächtig entschieden werden, wenn sicherheitsrelevante Schäden möglich sind.
Je nach Flagge, Revier und Schwere des Vorfalls können auch Behörden, Versicherung oder Unfalluntersuchungsstelle informiert werden müssen.
Fazit
Eine Kollision ist erst dann erledigt, wenn klar ist, dass keine Menschen gefährdet sind, kein Wasser eindringt und die Yacht sicher manövrierfähig bleibt.
Der sichtbare Schaden ist nicht immer der entscheidende Schaden.
Für die Sofortmaßnahmen gibt es eine eigene SPOREDO-Checkliste:
Kollision – Sofortmaßnahmen
Die Checkliste wird später über die Seite Skipper-Checklisten bereitgestellt.