Yacht verlassen / Rettungsinsel
Die Rettungsinsel ist nicht der erste Schritt, sondern die letzte Option.
Solange die Yacht schwimmt und nicht unmittelbar gefährlicher ist als das Verlassen, bleibt sie in der Regel die bessere Rettungsplattform: Sie ist größer, besser sichtbar, bietet mehr Schutz und lässt sich von Rettungskräften leichter finden als eine kleine Rettungsinsel.
Trotzdem gibt es Situationen, in denen das Verlassen der Yacht vorbereitet oder tatsächlich durchgeführt werden muss. Dazu gehören zum Beispiel schwerer Wassereinbruch, Feuer, starker Rauch, Explosionsgefahr, Kentergefahr oder schwere strukturelle Schäden.
Entscheidend ist: Die Rettungsinsel darf nicht erst dann Thema werden, wenn keine Zeit mehr bleibt.
Yacht nicht vorschnell verlassen
Eine der wichtigsten Regeln lautet: Die Yacht erst verlassen, wenn Bleiben gefährlicher ist als Verlassen.
Das klingt einfach, ist im Ernstfall aber eine schwierige Entscheidung. Eine beschädigte Yacht kann noch lange schwimmen. Eine Rettungsinsel ist dagegen eng, nass, kalt, windanfällig und deutlich schwerer zu finden.
Wer zu früh in die Rettungsinsel geht, gibt möglicherweise Schutz, Sichtbarkeit, Funkmöglichkeiten, Strom, Ausrüstung und Bewegungsfreiheit auf.
Wer zu spät geht, riskiert dagegen, dass die Rettungsinsel nicht mehr sicher vorbereitet werden kann.
Deshalb braucht es eine klare Einschätzung der Lage: Schwimmt die Yacht noch? Wird der Wassereinbruch beherrscht? Ist Feuer oder Rauch unter Kontrolle? Droht die Yacht zu sinken, zu kentern oder die Rettungsinsel später zu gefährden?
Vorbereiten heißt nicht sofort verlassen
Die Rettungsinsel vorzubereiten bedeutet nicht automatisch, die Yacht sofort aufzugeben.
Bei Feuer, Wassereinbruch, Grundberührung oder Kollision kann es sinnvoll sein, die Rettungsinsel frühzeitig klarzumachen, die Grab Bag bereitzulegen, Rettungswesten anzulegen und den Notfunk vorzubereiten.
Das ist keine Panik. Das ist Vorbereitung.
Wenn sich die Lage stabilisiert, bleibt die Crew an Bord. Wenn sich die Lage verschlechtert, ist die Crew vorbereitet und verliert keine wertvolle Zeit.
Notfunk vor dem Verlassen
Bevor die Yacht verlassen wird, muss der Notruf abgesetzt oder aktualisiert werden, soweit das noch möglich ist.
Wenn die Yacht aufgegeben wird, ist das eine Mayday-Lage. Die Rettungsstelle muss wissen, wo sich die Yacht befindet, wie viele Personen an Bord sind, warum die Yacht verlassen wird und welche Rettungsmittel genutzt werden.
Wichtig ist auch, ein tragbares Funkgerät, Handy und Signalmittel mitzunehmen, wenn sie gefahrlos erreichbar sind.
Das feste Funkgerät an Bord kann später nicht mehr erreichbar sein. Deshalb muss der Notfunk früh erfolgen, nicht erst im letzten Moment.
Rettungsinsel vorbereiten
Eine Rettungsinsel muss geordnet vorbereitet werden.
Besonders wichtig ist die Fangleine, auch Painter genannt. Sie muss vor dem Auslösen der Rettungsinsel sicher an einem starken Punkt der Yacht befestigt sein. Erst dann wird die Rettungsinsel über Bord gebracht und ausgelöst.
Wird die Rettungsinsel ausgelöst, ohne dass die Fangleine gesichert ist, kann sie bei Wind, Welle oder Fahrt durchs Wasser verloren gehen.
Nach dem Aufblasen sollte die Rettungsinsel möglichst direkt bemannt oder zusätzlich gesichert werden. Eine leere Rettungsinsel kann bei starkem Wind schwer kontrollierbar werden.
Direkt von der Yacht in die Rettungsinsel
Wenn möglich, sollte die Crew direkt von der Yacht in die Rettungsinsel wechseln.
Der Weg über das Wasser ist gefährlich. Kaltes Wasser, Wellen, Leinen, Treibgut, Panik, Verletzungen oder eine schlecht sitzende Rettungsweste können den Einstieg erschweren.
Deshalb ist es besser, die Rettungsinsel so zu positionieren, dass ein möglichst direkter Einstieg von der Yacht möglich ist: über das Heck, die Badeplattform, eine Leiter oder eine tiefere Bordwandstelle.
Der Einstieg muss geordnet erfolgen. Verletzte, schwächere oder unsichere Personen brauchen Unterstützung. Eine geeignete Person kann zuerst in die Rettungsinsel steigen und den Einstieg stabilisieren.
Verbindung zur Yacht nicht zu früh kappen
Die Verbindung zwischen Yacht und Rettungsinsel sollte nicht zu früh gekappt werden.
Solange die Yacht noch sicher ist, bleibt sie eine wichtige Sichtmarke und kann Schutz bieten. Rettungskräfte finden eine Yacht deutlich leichter als eine kleine Rettungsinsel.
Die Verbindung muss aber gekappt werden, wenn die Yacht sinkt, brennt, explodieren könnte, die Rettungsinsel beschädigt oder sie unter Wasser zieht. Auch Treibstoff, Rauch, Trümmer oder starke Schläge gegen den Rumpf können gefährlich werden.
Deshalb gehört ein Messer griffbereit in die Rettungsinsel.
Grab Bag und Notfallausrüstung
Eine vorbereitete Grab Bag kann im Ernstfall entscheidend sein.
Dazu gehören zum Beispiel tragbares Funkgerät, Handy, Signalmittel, Taschenlampe, Messer, Erste-Hilfe-Material, Wasser, Medikamente, Rettungsdecken und weitere Notfallausrüstung.
Wichtig ist aber: Niemand wird wegen Ausrüstung in Rauch, Feuer, steigendes Wasser oder einen unklaren Gefahrenbereich geschickt.
Was nicht sicher erreichbar ist, bleibt zurück.
Wärmeschutz und Erschöpfung
Kälte ist in einer Rettungsinsel eine ernste Gefahr.
Wenn Zeit und sichere Erreichbarkeit gegeben sind, sollten warme Kleidung, Kopfschutz, Handschuhe und wärmende Schichten angezogen werden. Auch der Schutz von Hals, Händen und Füßen ist wichtig.
Die Rettungsweste muss an Deck richtig angelegt werden. Schrittgurte sollten geschlossen und eng eingestellt sein, damit die Weste im Wasser nicht hochrutscht.
Gleichzeitig darf die Vorbereitung nicht dazu führen, dass wichtige Zeit verloren geht. Im Zweifel ist geordnetes Verlassen wichtiger als perfekte Kleidung.
Verhalten in der Rettungsinsel
In der Rettungsinsel geht es zuerst um Ordnung.
Personen werden gezählt, Verletzte versorgt, Gewicht verteilt, die Grab Bag gesichert und Funkgerät sowie Signalmittel bereitgehalten. Wenn Wasser in der Rettungsinsel steht, wird es ausgeschöpft. Wenn ein Seeanker vorhanden ist und sinnvoll eingesetzt werden kann, hilft er, die Rettungsinsel zu stabilisieren.
Wasser, Nahrung und Kräfte müssen eingeteilt werden. Signalmittel werden nicht wahllos verbraucht, sondern gezielt eingesetzt, wenn Rettungskräfte oder andere Fahrzeuge sie sehen können.
Genauso wichtig ist die Moral. Ruhe, klare Aufgaben und regelmäßiges Durchzählen helfen, Panik zu vermeiden und die Gruppe handlungsfähig zu halten.
Vorbereitung durch Sicherheitseinweisung
Das Verlassen einer Yacht ist eine Extremsituation.
Gerade deshalb muss die Crew vor dem Törn wissen, wo Rettungswesten, Rettungsinsel, Grab Bag, Funkgerät, Signalmittel und wichtige Notfallausrüstung sind. Im Ernstfall bleibt keine Zeit, alles zum ersten Mal zu erklären.
Eine Sicherheitseinweisung vor dem Törn hilft, Zuständigkeiten und Ausrüstung bekannt zu machen.
Noch einfacher wird es, wenn die Crew bereits vor dem Törn vorbereitet wird. Genau dafür gibt es die Online-Sicherheitseinweisung von SPOREDO. Sie hilft, wichtige Sicherheitsfragen vorab zu klären, damit an Bord im Ernstfall schneller und ruhiger gehandelt werden kann.
Fazit
Die Rettungsinsel ist kein Zeichen guter Vorbereitung, wenn sie vorschnell genutzt wird. Gute Vorbereitung bedeutet, die Yacht so lange wie möglich als Schutz- und Sichtplattform zu nutzen – aber rechtzeitig bereit zu sein, wenn das Verlassen notwendig wird.
Die Entscheidung lautet nicht: Rettungsinsel ja oder nein.
Die entscheidende Frage lautet: Ist die Yacht noch sicherer als das Verlassen?
Wenn die Antwort nein ist, müssen Notfunk, Crew, Rettungsinsel, Grab Bag und Einstieg geordnet ablaufen.
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